Leo XIV. besucht als erster Papst die wiederaufgebaute Notre-Dame
18.09.202610:14
Frankreich/Papst/Kirche/Notre.Dame/Papstbesuch
Fassungslos verfolgten Menschen in aller Welt 2019 die verheerende Brandkatastrophe in der Pariser Kathedrale - Schon zur Wiedereröffnung vor zwei Jahren hoffte Frankreich auf einen Papstbesuch, nun feiert Leo XIV. am Beginn seiner Frankreich-Reise einen Gottesdienst mit tausenden Priestern und Ordensleuten
Paris, 18.09.2026 (KAP) Mehrere Tausend Priester, Diakone und Ordensleute, verschärfte Zugangskontrollen und eine für zweieinhalb Tage weitgehend geschlossene Kathedrale: In der Pariser Notre-Dame laufen die letzten Vorbereitungen für den Besuch von Papst Leo XIV. am 25. September. Es ist der erste Papstbesuch in dem weltbekannten Gotteshaus seit der Wiedereröffnung nach dem verheerenden Brand von 2019.
Gleich am frühen Abend des ersten Tags seiner von 25. bis 28. September angesetzten Frankreich-Reise wird Leo XIV. in Notre-Dame die Vesper feiern. Eingeladen sind Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute sowie Seminaristen aus ganz Frankreich. Der Papst selbst habe gewünscht, diese Gebetszeit der Begegnung mit ihnen zu widmen, teilten die Erzdiözese Paris und Erzbischof Laurent Ulrich mit.
Der Gottesdienst in der Pariser Bischofskirche bildet bewusst eine stärker innerkirchliche Station von Leos Besuch. Die großen Begegnungen mit der Bevölkerung der französischen Hauptstadt finden anderswo statt: Vor der Vesper fährt Leo XIV. im Papamobil auf einer zweieinhalb Kilometer langen Strecke durch Paris, begleitet vom Geläut der Kirchenglocken. Später am Abend folgt eine Jugendvigil mit rund 80.000 Menschen im Stade de France. Für die große Papstmesse am Samstag auf der Place de la Concorde im Zentrum von Paris rechnen die Organisatoren inzwischen mit weit über einer halben Million Menschen.
Auch organisatorisch bereitet sich Notre-Dame auf den Besuch vor. Die Kathedrale bleibt am 24. und 25. September für die Öffentlichkeit geschlossen. Am Samstag öffnet Notre-Dame erst um 17 Uhr wieder für Besucherinnen und Besucher, wenn der Papst Paris bereits in Richtung Lourdes verlässt.
Große symbolische Bedeutung
Der Vesper-Gottesdienst des Papstes in Notre-Dame trägt große symbolische Bedeutung. Am 15. April 2019 zerstörte ein bei Renovierungsarbeiten ausgebrochener Großbrand Dachstuhl, Vierungsturm und Teile der Gewölbe der frühgotischen Kathedrale und beschädigte das Bauwerk schwer. Fassungslos verfolgten die Pariserinnen und Pariser und mit ihnen Menschen in aller Welt damals die Bilder vom Brand.
Staatspräsident Emmanuel Macron kündigte danach an, die Kirche, die vielen als Inbegriff von Frankreichs Kathedralen gilt, binnen fünf Jahren wiederaufzubauen. Für die Arbeiten an der "Jahrhundertbaustelle" gingen Hunderte Millionen Euro Spenden aus Frankreich und aller Welt ein. Nach einer umfassenden Sanierung übergab man das gotische Gotteshaus am 7. /8. Dezember 2024 mit einem Festwochenende der Öffentlichkeit.
Präsident Macron und viele Franzosen hatten vor zwei Jahren lange gehofft, dass Papst Franziskus (2013-2025) als Ehrengast an der Wiedereröffnung der Kathedrale teilnehmen wird. Das Kirchenoberhaupt entschied sich dagegen. Nun ist Leo XIV. der erste Papst, der das wieder aufgebaute Gotteshaus besucht. Eine angeblich vom Élysée-Palast vorgeschlagene Exklusiv-Führung für den Papst durch Macron, soll Leo laut französischen Medienberichten abgelehnt haben. Das Kirchenoberhaupt feiert stattdessen die Vesper mit dem Klerus. Auch die Päpste Benedikt XVI. im Jahr 2008 und Johannes Paul II. 1997 und 1980 leiteten Gottesdienste in der Kathedrale.
Vielen Millionen Besucher jährlich
Die der Gottesmutter Maria geweihte Kathedrale liegt exponiert auf der Seine-Insel Ile de la Cité im historischen Zentrum von Paris und wurde vor dem Großbrand von 2019 jährlich von rund 12 bis 14 Millionen Menschen besucht. 2025 waren es, inzwischen über ein elektronisches Reservierungssystem stark reguliert, gut elf Millionen. Auch nach der Wiederöffnung gehen die Renovierungsarbeiten in und um die Kathedrale weiter.
Den Nachfolgebau früherer Bischofskirchen begann man 1163. Bereits 1182 war der Chor fertig, danach folgten Hauptschiff, Westfassade (1225) und Türme (1250) von Notre-Dame. Das monumentale Kircheninnere mit fünf Schiffen misst rund 130 Meter in der Länge und 33 Meter in der Höhe. Die beiden Türme der Fassade erreichen 69 Meter. Vor dem Haupteingang der Kathedrale liegt der Zentralpunkt Frankreichs, der Kilometer null. Alle anderen Orte des Landes misst man als Entfernung von diesem Punkt aus.
Wie so viele Kirchen in Frankreich erfuhr die Pariser Kathedrale während der Revolution tiefe Demütigung. Zunächst als revolutionärer "Tempel des Höchsten Wesens" entweiht, wurde sie später zum Weinlager. Erst Napoleon ordnete 1802 wieder eine Nutzung für den Gottesdienst an und krönte sich hier im Dezember 1804 in Anwesenheit von Papst Pius VII. selbst zum Französischen Kaiser. Victor Hugos Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" (1831) machte das verfallende Gotteshaus zum Gegenstand romantischer Verklärung.
Neben der herausragenden kunsthistorischen Bedeutung des Gesamtbauwerks und einem bedeutenden Kirchenschatz verdienen auch die berühmten Chimären-Figuren auf der oberen Galerie sowie die Figurenportale Beachtung. Letztere, auch die überlebensgroßen Königsstatuen am Mittelportal, sind allerdings Neuschöpfungen, da die Originale während der Revolution zerschlagen wurden.
(Diese Meldung ist eines Kathpress-Themenpakets zum Papstbesuch in Frankreich. Alle Meldungen des Schwerpunkts sind abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-Leo-in-Frankreich)
Leo XIV. vom 25. bis 28. September in Frankreich - Eine Million Menschen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen erwartet - Papst trifft auf innenpolitisch zerrissenes Land und ein Kirche auf der Suche nach Orientierung - Zu rechnen ist auch mit einer Botschaft an Europa