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Westfassade der Kathedrale Notre-Dame de Paris
Papstreise
Bild Copyright: © Kathpress / Andreas Gutenbrunner

"Tour de France" des Papstes mit speziellen Herausforderungen

18.09.2026 10:14
Vatikan/Frankreich/Papst/Kirche/Diplomatie/Papstbesuch
Leo XIV. vom 25. bis 28. September in Frankreich - Eine Million Menschen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen erwartet - Papst trifft auf innenpolitisch zerrissenes Land und ein Kirche auf der Suche nach Orientierung - Zu rechnen ist auch mit einer Botschaft an Europa
Paris, 18.09.2026 (KAP) Frankreich erwartet vom 25. bis 28. September den Besuch von Papst Leo XIV. Stationen der Reise sind Paris und Saint-Denis, der Wallfahrtsort Lourdes sowie Metz. Die französischen Bischöfe rechnen mit insgesamt rund einer Million Menschen bei den verschiedenen Veranstaltungen. Das Leitwort der Reise lautet "Damit die Welt Leben hat".

Neben großen Freiluft-Gottesdiensten und Begegnungen mit Jugendlichen stehen Begegnungen mit Staatspräsident Emmanuel Macron, mit der französischen Kirche und auch mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs auf dem Programm. Leo XIV. besucht zudem mehrere Sozialeinrichtungen. Zum Abschluss will der Papst in Metz eine europäische Botschaft zu Frieden, Versöhnung und Einheit setzen. In Paris besucht Leo XIV. auch den Hauptsitz der Weltkulturorganisation Unesco.

Seine fünfte Auslandsreise führt Leo XIV. in ein Land, das wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl 2027 politisch stark polarisiert ist. Zugleich steht die katholische Kirche vor gegensätzlichen Entwicklungen. Die Skandale um sexuellen Missbrauch durch Kleriker werfen noch immer dunkle Schatten auf die Kirche. Während die Folgen weiter aufgearbeitet werden, verzeichnet die französische Kirche einen deutlichen Anstieg bei Taufen von Erwachsenen. Nach Angaben der Bischofskonferenz wurden 2026 mehr als 13.200 Erwachsene getauft, rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. In zehn Jahren hat sich ihre Zahl damit mehr als verdreifacht. Dieser Entwicklung ist auch ein eigener Programmpunkt der Papstreise gewidmet.

Leo XIV. landet am Freitag, 25. September, um 10 Uhr am Flughafen Paris-Orly. Danach wird er von Präsident Macron im Élysée-Palast empfangen und begegnet Vertretern staatlicher Institutionen, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps. In seiner ersten Rede könnte das Kirchenoberhaupt auch auf die unter Präsident Macron liberalisierte Gesetzgebung in Sachen Abtreibung und Sterbehilfe eingehen, gegen die Frankreichs Bischöfe vergeblich Sturm gelaufen sind.

Am Nachmittag (15 Uhr) besucht der Papst den Unesco-Hauptsitz. Die auf Einladung von Generaldirektor Khaled El-Enany organisierte Begegnung widmet sich aktuellen Herausforderungen u. a. durch Künstliche Intelligenz (KI), die Papst Leo in seiner ersten Enzyklika "Magnifica humanitas" formuliert hatte. Nach einem Vier-Augen-Gespräch mit El-Enany sowie einem Besuch des "Platzes der Toleranz" und der Kunstausstellung auf dem Gelände beginnt eine offizielle Zeremonie. Dabei werden der Papst wie auch der Generaldirektor Grundsatzreden halten.

Feier in der Kathedrale Notre-Dame

Danach folgt im Programm des Papstes eine Vesper mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen in Notre-Dame. Leo XIV. ist damit der erste Papst, der die Pariser Kathedrale nach ihrer Wiedereröffnung im Dezember 2024 besucht. Das Gotteshaus war nach dem verheerenden Brand von 2019 wiederaufgebaut worden.

Abends findet um 21 Uhr im Stade de France in Saint-Denis eine große Gebetsvigil statt. Knapp 80.000 junge Menschen haben sich angemeldet; eingeladen sind ausdrücklich auch Angehörige anderer Religionen. Der große Andrang gehört zu den organisatorischen Herausforderungen der Reise. Für den gesamten Papstbesuch veranschlagt die Kirche in Frankreich derzeit ein Budget von rund 27 Millionen Euro. Die Vorbereitungen mussten dabei in ungewöhnlich kurzer Zeit bewältigt werden.

Der Samstag, 26. September, beginnt mit einem Besuch im Sozial- und Integrationszentrum Maison Bakhita. Anschließend trifft Leo XIV. im Institut Catholique de Paris Mitglieder der Synodalversammlung der Pariser Kirchenprovinz sowie Taufbewerber und Neugetaufte.

Am Nachmittag (15 Uhr) feiert er auf der Place de la Concorde eine riesige Freiluftmesse. Die laut dem Pariser Erzbischof Laurent Ulrich "historische Feierlichkeit" dürfte sich bis über die Champs-Élysées erstrecken. Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich für die Zählkarten zum Besuch der Messe registriert. Wegen des erwarteten großen Andrangs wurden zuletzt zusätzliche Bereiche für Besucher mit Zählkarten freigegeben.

Nach dem Gottesdienst fliegt der Papst nach Lourdes. Noch am Samstagabend wird er in dem weltbekannten Wallfahrtsort an der Erscheinungsgrotte von Massabielle beten.

Große Messe im Marienheiligtum Lourdes

Am Sonntag, 27. September, trifft Leo XIV. in Lourdes zunächst die französischen Bischöfe, bevor er auf der Wiese des Marienwallfahrtsorts eine weitere große Messe feiert. Danach sind Begegnungen mit Kranken und Mitarbeitern des Pilgerdienstes Accueil Notre-Dame sowie mit kontemplativen Ordensfrauen vorgesehen. Den Tag beschließt die traditionelle abendliche Lichterprozession mit Rosenkranzgebet. Für das Wochenende in dem Marienheiligtum in den Pyrenäen werden rund 225.000 Besucher erwartet.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch einer in Lourdes vorgesehenen privaten Begegnung des Papstes mit sieben Menschen, die sexuelle Gewalt im kirchlichen Umfeld erlebt haben. Die französische Kirche hatte nach eigenen Angaben rund 40 Anfragen von Einzelpersonen und Gruppen erhalten. Ausgewählt wurden Frauen und Männer mit unterschiedlichen Missbrauchserfahrungen, darunter Betroffene, die zum Tatzeitpunkt minderjährig oder erwachsen waren. Mehrere Opferinitiativen kritisierten allerdings, dass keine Gruppe als solche empfangen wird. Die sieben Teilnehmenden betonten wenige Tage vor der Reise in einer gemeinsamen Erklärung, der Dialog mit dem Papst bedeute keinen Verzicht auf ihre Forderungen nach Konsequenzen.

Die Fassade der Rosenkranzbasilika von Lourdes hat der wegen Missbrauchsvorwürfen von Ordensfrauen in Ungnade gefallene Mosaikkünstler Marko Rupnik einst mitgestaltet. Der große Gottesdienst am Sonntag findet gleich neben der Basilika statt. Ortsbischof Jean-Marc Micas ordnete schon 2025 an, einige Rupnik-Mosaiken zu verhängen. Noch vor Leos XIV. Besuch soll nun auch der Rest verdeckt werden. Der vatikanische Prozess gegen den Künstler verläuft unterdessen ohne erkennbare Fortschritte - und wird zu einer ungewollten Belastung des Papstbesuches an dem populären Wallfahrtsort.

Europäische Botschaft in Metz

Letzte Station der Reise ist am Montag, 28. September, Metz in Lothringen. Dort nimmt Leo XIV. zunächst an einem interreligiösen Treffen teil. Danach steht im Robert-Schuman-Kongresszentrum eine Veranstaltung auf dem Programm, bei der Leo XIV. über Versöhnung, Frieden und die Einheit Europas sprechen wird.

Die Stadt nahe der Grenzen zu Deutschland und Luxemburg ist eng mit dem früheren französischen Staatsmann Robert Schuman (1886-1963) verbunden, einem der Wegbereiter der europäischen Einigung. Beobachter erwarten deshalb von dieser Etappe eine über Frankreich hinausreichende europäische Dimension.

Der Besuch erinnert auch an Papst Johannes Paul II. (1978-2005), der 1988 - also rund ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer, in Metz über die Einheit des damals noch in Ost und West geteilten Europa gepredigt hatte. Um 16 Uhr feiert Leo XIV. in der Kathedrale Saint-Étienne, die wegen ihrer großflächigen Glasfenster auch "Gottes Laterne" genannt wird, den Abschlussgottesdienst seines Frankreich-Besuchs. Zehntausende Menschen werden in Metz erwartet; nur ein Teil kann den Gottesdienst im Dom selbst mitfeiern. Am Abend fliegt der Papst nach Rom zurück.

Für die französische Kirche war die Reise organisatorisch ein Kraftakt. Bischofskonferenz-Vorsitzender Kardinal Jean-Marc Aveline erklärte, er habe Leo XIV. früh zu einem Besuch eingeladen und auf einen Termin noch 2026 gedrängt. Als sich im päpstlichen Kalender kurzfristig ein Zeitfenster öffnete, blieben für die Vorbereitung rund vier Monate. Aveline sieht in dem Besuch nicht nur ein katholisches Großereignis: Die Worte des Papstes könnten der Kirche in Frankreich und darüber hinaus Impulse geben.

(Offizielle Website zum Papstbesuch: www.pape-france.fr)

(Diese Meldung ist eines Kathpress Themenpakets zum Papstbesuch in Frankreich. Alle Meldungen des Schwerpunkts sind abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-Leo-in-Frankreich)
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