Stark säkularisiertes Land ist erste Station der Südamerika-Reise von Leo XIV.
Montevideo, 30.10.2026 (KAP) Zum Auftakt seiner knapp zweiwöchigen Südamerikareise wird Papst Leo XIV. vom 6. bis 8. November Uruguay besuchen. Geplant sind Stationen in Montevideo, Paysandu und Florida. Die katholische Kirche verbindet mit dem Besuch die Hoffnung, die Gläubigen zu stärken und neue Impulse für die Evangelisierung zu setzen.
Kein anderes Land Lateinamerikas ist nur annähernd so stark säkularisiert wie Uruguay. An die 1,2 Millionen Menschen und damit etwa 33 Prozent der Bevölkerung sind katholisch. Die Kirche steht vor der Herausforderung, den Glauben in einer Gesellschaft weiterzugeben, in der viele Menschen keiner Religionsgemeinschaft angehören.
Die katholische Kirche ist in dem zwischen Brasilien und Argentinien gelegenen Staat in neun Diözesen mit insgesamt 240 Pfarren organisiert. Laut Vatikanstatistiken aus dem Jahr 2023 sind im Land rund 210 Diözesan- und 190 Ordenspriester, 100 Diakone, knapp 550 Ordensfrauen und -brüder tätig.
Erzbischof der Hauptstadtdiözese Montevideo ist seit 2014 Kardinal Daniel Sturla (67). Der Salesianer ist auch Vizepräsident der Uruguayischen Bischofskonferenz (CEU). Den Vorsitz führt Bischof Milton Troccoli (62), der die Diözese Maldonado-Punta del Este-Minas leitet.
In Uruguay gibt es seit 1916 eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat. Der Laizismus prägt das öffentliche Leben bis heute. Religiöse Feiertage tragen säkulare Bezeichnungen: Weihnachten heißt offiziell "Tag der Familie", die Karwoche wird als "Tourismuswoche" bezeichnet.
Laizistisch und liberal sind auch viele Gesetze. Seit 2012 gilt bei der Abtreibung eine Fristenregelung mit Beratungspflicht. 2025 wurde per Gesetz die aktive Sterbehilfe für unheilbar kranke Menschen zugelassen. Die katholischen Bischöfe Uruguays haben sich zu dieser Form der Liberalität stets kritisch zu Wort gemeldet.
Die katholische Kirche ist neben der Pfarrseelsorge in der Katechese, der Bildung und der Sozialpastoral tätig. Kirchliche Einrichtungen unterstützen Bedürftige. Für viele Gläubige besonders bedeutend ist die "Virgen de los Treinta y Tres" (Jungfrau der 33), die Schutzpatronin Uruguays. Ihr Heiligtum befindet sich in der Stadt Florida. 1825 wurde die Madonna dort von den "33 Orientalen" verehrt, einer revolutionären Gruppe, die die Unabhängigkeit von Brasilien erstritt. Die jährliche Wallfahrt zur Jungfrau der 33 gehört zu den bedeutenden katholischen Glaubensmanifestationen im Land.