Lungen-OP des Papstes wird zum Wettlauf gegen die Zeit
12.10.202615:54
Vatikan/Papst/Medizin & Gesundheit/Kirche
Seit der Papst von einem Knoten in seiner Lunge gesprochen hat, wird im Vatikan spekuliert und gerechnet. Der Zeitplan von Leo XIV. ist dabei ein zentraler Faktor. Nun soll alles ganz schnell gehen - Von Kathpress-Rom-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel
Vatikanstadt, 12.10.2026 (KAP) Papst Leo XIV. ist dafür bekannt, dass er seine Worte sehr genau abwägt. Das gilt auch für seine Ankündigung vom Sonntagmittag. Als er am Sonntag vor 20.000 Pilgern aus heiterem Himmel verkündete, Ärzte hätten in seiner Lunge einen Knoten entdeckt, fügte er hinzu: "Ich habe daher, ihrem Rat folgend, entschieden, mich operieren zu lassen, damit er entfernt wird."
Mit seiner Ankündigung, von der zuvor kaum jemand im Vatikan wusste, machte der Papst klar, dass allein er eine solch wichtige Kommunikation im Vatikan kontrolliert. Und dass er es ist, der entscheidet - wenn auch auf Anraten der Ärzte.
Auch der nächste Satz wurde genau analysiert: "Der Eingriff ist bereits für die nächsten Tage terminiert." Zwar sagte der Papst nicht, wann und in welcher Klinik er operiert wird. Doch dann nannte sein Sprecher Matteo Bruni bald die römische Gemelli-Klinik als Ort und die erste Wochenhälfte als Zeitraum. Am Montag präzisierte er: Die Einlieferung erfolgt bereits am Dienstagvormittag.
Seither konzentrieren sich die Spekulationen darauf, um was für eine Art von Knoten es sich handelt. Die Tatsache, dass der Papst von einem "sehr frühen Stadium" sprach, klingt beruhigend. Sie lässt aber auch darauf schließen, dass es sich nicht um eine Vernarbung, sondern um ein dynamisches Geschehen im Lungengewebe handelt. In diesem Zusammenhang erinnern manche Beobachter daran, dass offenbar beide Eltern des Papstes nach Krebserkrankungen verstarben.
Genauere Informationen über einen Labor-Befund sind erst nach der Operation aus der Gemelli-Klinik zu erwarten. Neben der medizinischen Sachfrage werden aber auch zeitliche Vorgaben diskutiert, denen der Papst unterliegt.
Die Ärzte drängten offenbar auf einen möglichst raschen Eingriff, um das Risiko einer im Lungengewebe weiter wachsenden Bedrohung zu minimieren. Deshalb, so heißt es im Vatikan, sei der Papst sogar bereit gewesen, einen Termin abzusagen, der ihm sehr am Herzen lag: Den Abschlussgottesdienst des weltweiten Bischofstreffens über die aktuelle Krise von Ehe und Familie.
In seiner eigentlich für Mittwochvormittag geplanten Predigt hätte der Papst die erstaunlich offenen Debatten der zurückliegenden sieben Tage im Vatikan zusammenfassen und einordnen können. Und er hätte den mehr als 120 Bischofskonferenzvorsitzenden und Kirchenführern aus allen Erdteilen Impulse geben und die Richtung weisen können.
Ein solches Wort des Papstes, so war unter Teilnehmern zu hören, wäre umso dringlicher gewesen, als bei der Konferenz deutlich wurde, dass die Kluft zwischen kirchlicher Lehre und menschlicher Praxis im Bereich Ehe und Familie derzeit in allen Erdteilen größer sei als von manchen im Vatikan erwartet. Was das für die kirchliche Lehre in diesem zentralen Bereich bedeutet, war eine Frage, die manche Teilnehmer umtreibt, und auf die sie eine wegweisende Antwort des Papstes erwartet hätten.
Die Absage eines solch wichtigen Termins in seiner Agenda, so viel war klar, ließ sich nur mit erheblichen Zwängen begründen. Neben dem Drängen der Ärzte auf einen möglichst raschen Eingriff spielten offenbar auch zwei Termine eine Rolle, die wenige Wochen danach im päpstlichen Terminkalender stehen.
Am 27. Oktober sollte Leo XIV. am Weltgebetstreffen der Religionen in Assisi teilnehmen. Es findet 40 Jahre nach dem historischen ersten derartigen Treffen statt. Angesichts der vielen Kriege, in denen religiöse Faktoren eine Rolle spielen, wurde ein Wort des "Friedenspapstes" in Assisi von den Veranstaltern im Umfeld der Gemeinschaft von Sant'Egidio sehnlichst erwartet.
Unklar ist, ob der 71-Jährige zu einem solchen Auftritt schon zwei Wochen nach dem Lungen-Eingriff in der Lage sein wird. Noch heikler ist die Terminlage bei der vom 6. bis 17. November geplanten Südamerika-Reise des Papstes. Mediziner erklären, dass nach einer Lungen-OP eine dreiwöchige "Flugsperre" anzuraten sei.
Demnach wäre eine Reise am 6. November nur dann möglich, wenn die OP baldmöglichst über die Bühne geht. Auch deshalb war also Eile geboten. Doch selbst wenn der Papst seine Lateinamerikareise antritt, ist unklar, ob sie im ursprünglich geplanten Umfang stattfinden kann. Unter anderem war ein Abstecher nach Cuzco geplant. Die Anden-Stadt liegt auf 3.400 Metern Höhe; ein Besuch dort ist selbst für Menschen ohne Vorbelastung der Lunge eine Herausforderung.
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