Papst ruft Frankreichs Bischöfe zu Einheit und Mut auf
27.09.202612:08
Frankreich/Papst/Gesellschaft/Kirche
Leo XIV. traf in Lourdes mit den rund 120 Mitgliedern der Französischen Bischofskonferenz zusammen
Lourdes, 27.09.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat den von Missbrauchsskandalen und politischen Misserfolgen gebeutelten Bischöfen in Frankreich Mut gemacht. In einer Ansprache an die rund 120 Mitglieder der Bischofskonferenz im Wallfahrtsort Lourdes sagte er am Sonntagmorgen: "Ich appelliere an euch, Mut, Kühnheit und missionarische Kreativität zu zeigen. Lasst euch nicht entmutigen durch die Fehler, die Unstimmigkeiten oder gar die Rückschläge, die die Geschichte dieses Volkes auf seinem Weg markiert haben."
Mit Blick auf zurückliegende Fehler, etwa im Umgang mit dem Missbrauchskandal, sagte er: "Habt immer den Mut, Fehler in der Liebe zur Wahrheit anzuerkennen, und die Entschlossenheit, die Wunden mit der Liebe des Guten Hirten zu heilen".
Mit Nachdruck verteidigte der Papst das Recht der Kirche, sich trotz der strikten Trennung vom Staat in gesellschaftliche und politische Debatten einzubringen. Er sagte: "Das Wort der Kirche hat zurecht seinen festen Platz im öffentlichen Diskurs in Frankreich; es besitzt von Natur aus eine prophetische Autorität. Auch wenn es nicht immer gehört wird, wird es doch erwartet. Auch wenn ihm nicht gefolgt wird - insbesondere bei wesentlichen Fragen, die die Grundlagen der Zivilisation betreffen -, ist es notwendig; daran dürft ihr nicht zweifeln!"
Aufruf zu Wachsamkeit
Für die Zukunft rief der Papst die Bischöfe auf, "Wachsamkeit zu zeigen, um die Freiheit und die Rechte der Kirche zu verteidigen, das Evangelium zu verkünden, zur wahren Freiheit zu erziehen und den Gottesdienst öffentlich zu feiern".
"In Frankreich wie auch anderswo im Westen" gebe es, so der Papst weiter, "eine beunruhigende Polarisierung, einen Rückgang der Geschwisterlichkeit, der Herzlichkeit und der Qualität des gesellschaftlichen Lebens sowie ein Wiederaufflammen von Gewalt, Ungleichheit und Armut". Dem müsse die Kirche mit neuem missionarischen Schwung entgegenwirken.
Ausführlich ging der Papst auch auf den Skandal des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Geistliche ein. Er sagte: "Ihr habt mutige Maßnahmen ergriffen, um darauf zu reagieren - durch Zuhören, Suche nach Wahrheit, durch Gerechtigkeit, Vergebung, Wiedergutmachung und ein entschlossenes Engagement für eine Kultur der Prävention und des Schutzes vor diesen Verbrechen." Nun gelte es, "den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und dabei größte Wachsamkeit zu wahren".
"Einheit ist keine flache Gleichförmigkeit"
Zugleich rief der Papst die Bischöfe dazu auf, ihre Kleriker zu unterstützen und zu ermutigen. Er betonte: "Damit Priesterberufungen entstehen können, muss der Priester erwünscht, aufgenommen und geliebt werden, und seine Identität - Christus gleichgestaltet - muss innerhalb des Volkes Gottes klar und gut verstanden werden, zur Freude am Evangelium und im Dienst seiner Sendung."
Zur Auseinandersetzung mit den in Frankreich starken katholischen Traditionalisten bemerkte der Papst: "Einheit ist keine flache Gleichförmigkeit, sondern ermöglicht es, dass jede wahrhaft katholische Ausrichtung selbstverständlich in einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis zusammenfließt, im Gehorsam gegenüber den rechtmäßigen Hirten und insbesondere gegenüber dem Nachfolger Petri."
Es handele sich um "eine dynamische Einheit, die sich aus der Tradition der Kirche - von den Kirchenvätern bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil - und aus dem nachkonziliaren Lehramt nährt". Damit wandte er sich gegen jene Strömungen im Traditionalismus, die - wie etwa die exkommunizierten Piusbrüder - das letzte Reformkonzil der katholischen Kirche ablehnen.