Leo XIV. bei Besuch in Lourdes: Lob für "mutige Maßnahmen" gegen die "schmerzliche Plage des Missbrauchs"
Lourdes, 27.09.2026 (KAP) Der Papstbesuch im französischen Lourdes steht am Sonntag auch im Zeichen der Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche. Am Abend sollte Leo XIV. mit sieben Betroffenen zu einem vertraulichen Gespräch zusammenkommen. Der Marienwallfahrtsort am Fuße der Pyrenäen hat dafür eine besondere Symbolik: Hier erkannten die französischen Bischöfe 2021 die institutionelle Verantwortung der Kirche für die Missbrauchsfälle an und baten um Vergebung.
Die Vertreter der Französischen Bischofskonferenz traf Leo XIV. am frühen Sonntagmorgen hinter verschlossenen Türen. Auf dem Weg zu der Begegnung verweilte der Papst einige Momente schweigend vor dem steinernen Mahnmal für die minderjährigen Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenmitarbeiter.
Anschließend lobte der Papst die Kirchenmänner für die "mutigen Maßnahmen" gegen die "schmerzliche Plage des Missbrauchs". Er dankte den Geistlichen "für das, was ihr getan habt, und ich weiß, dass es für eure Bischofskonferenz einige sehr schwierige Momente gab." Zugleich forderte er sie auf, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und dabei höchste Wachsamkeit zu wahren.
Freiluftmesse mit rund 150.000 Pilgern
Bei der Freiluftmesse am späteren Vormittag rief Leo XIV. zur Buße auf - und nahm dabei ausdrücklich auch die katholische Kirche selbst in die Pflicht. "Sie muss den Mut aufbringen, diese Umkehr als Erste zu vollziehen", forderte der Papst in seiner Predigt.
"Um von den tiefen Wunden, der Untreue und den schmerzhaften Irrwegen, die in ihr begangen wurden, zu genesen, müssen wir uns in Demut dem reinigenden Blick des Herrn stellen." Vor den Bischöfen des Landes und rund 150.000 Pilgern sagte Leo XIV.: Für das geistliche Wachstum sei "das Eingestehen unserer Fehler" unverzichtbar.
Die Aufarbeitung beschäftigt die französische Kirche seit Jahren, nachdem eine unabhängige Untersuchungskommission 2021 den Umfang des Missbrauchs aufgedeckt hatte. Ihren Schätzungen zufolge sollen zwischen 1950 und 2020 rund 216.000 Minderjährige von Priestern und Ordensleuten sexuell missbraucht worden sein. Frankreichs Kirche richtete daraufhin eine unabhängige Stelle für Anerkennung und Wiedergutmachung ein.
Nach der Veröffentlichung des Berichts erschütterten weitere Fälle das Land. Seit 2024 stehen Vorwürfe gegen den bekannten französischen Armenpriester Abbé Pierre im Fokus. Der 2007 verstorbene "Vater der Obdachlosen" wird zahlreicher sexueller Übergriffe gegen Frauen und Minderjährige bis hin zur Vergewaltigung beschuldigt.
Die von ihm gegründete Emmaus-Gemeinschaft distanzierte sich radikal von Abbé Pierre und richtete ein Entschädigungsprogramm ein. Eine unabhängige Untersuchungskommission ermittelt derzeit Ausmaß und Hintergründe der jahrzehntelangen Übergriffe; ihr Bericht wird für 2027 erwartet. Auch gegen Gründer anderer katholischer Gemeinschaften in Frankreich wurden in den vergangenen Jahren Vorwürfe sexueller Übergriffe und geistlichen Missbrauchs bekannt.