Reihe von Veranstaltungen rund um den 10. September widmet sich der Aufklärung und Trauer
Wien, 03.09.2026 (KAP) Rund um den Welttag der Suizidprävention am 10. September laden Institutionen in ganz Österreich zu einer Reihe von Veranstaltungen ein, die sich dem Umgang mit dem herausfordernden Thema widmen und dabei auch dem Leid der Betroffenen Raum und Ausdruck geben. Geplant sind unter anderem eine Tagung in Linz mit Pressekonferenz, eine Preisverleihung in Wien sowie in ganz Österreich Gedenkfeiern, die informieren, vernetzen und auch Raum für Trauer und Erinnerung bieten.
In der Wiener Ruprechtskirche veranstaltet die Beratungseinrichtung "Gesprächsinsel" gemeinsam mit der Kontaktstelle Trauer der Caritas am Donnerstag, 10. September, um 18 Uhr eine Gedenkfeier für Menschen, die durch Suizid verstorben sind. Die Gedenkfeier habe christliche Elemente, werde aber bewusst "religiös offen gehalten", um auch jene anzusprechen, die keinen christlichen Bezug haben, hieß es im Vorfeld dazu. Ein zentrales Element dabei ist ein Kerzenritual: Jede und jeder Angehörige zündet eine Kerze für die Verstorbenen an. Zusätzlich brennen so viele Kerzen, wie im letzten Jahr in Wien durch Suizid verstorben sind.
Segenswünsche und Musik
In der Diözese St. Pölten laden die Kompetenzstelle Trauer, der Mobile Hospizdienst der Caritas, die TelefonSeelsorge, das AKUTteam NÖ und der PsychoSoziale Dienst der Caritas - Bündnis gegen Depression am 10. September in Seitenstetten und am 11. September in St. Pölten zu Gedenkfeiern für Menschen ein, die durch Suizid verstorben sind. Ab 18 Uhr besteht die Möglichkeit zum Austausch, um 19 Uhr beginnt die Gedenkfeier mit Texten, Gedanken, einem Erinnerungsritual, Segenswunsch und Musik. Sie soll auch ein Zeichen dafür setzen, dass über Suizid und seine Folgen offen gesprochen werden darf und "niemand mit seiner Betroffenheit allein bleiben muss", hieß es in einer Aussendung der Caritas St. Pölten.
In der Diözese Eisenstadt laden unter dem Titel "Hinter die Kulissen der 142 g'schaut" am Welttag der Suizidprävention Petra Lunzer und Christina Flatischler von der TelefonSeelsorge Burgenland zu einem Impulsvortrag mit anschließendem Austausch ein. Dabei werden Fragen wie "Was passiert eigentlich, wenn jemand die Notrufnummer 142 wählt? Mit welchen Anliegen wenden sich Menschen an die TelefonSeelsorge und wer ist für sie da?" behandelt. Die Vortragenden spannen den Bogen von der Gründungsidee der TelefonSeelsorge bis in die Gegenwart und informieren über das Angebot über die klassische Telefonberatung hinaus. So stehen heute auch Chat-, Messenger- und Mailberatung zur Verfügung und ermöglichen unterschiedliche, niederschwellige Wege, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Gesprächsabende für Trauernde
Auch noch in den Wochen danach lädt in Kärnten das Referat für Trauerpastoral gemeinsam mit der Plattform "Verwaiste Eltern" zu begleiteten Gesprächsabenden für Menschen ein, die um einen Angehörigen nach Suizid trauern. Die Treffen finden am 24. September, 22. Oktober und 12. November, jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr, im Klagenfurter Diözesanhaus statt. In einem geschützten Rahmen können sich Betroffene austauschen, bei professioneller Begleitung. "Zusammen ist man weniger allein" lautet das Anliegen der Abende, die neue Perspektiven eröffnen und Kraft für den eigenen Weg geben sollen.
"Verwundet und aufgehoben" heißt der Titel der heurigen ökumenischen Gedenkfeier für Hinterbliebene nach Suizid im Salzburger Bildungshaus St. Virgil, die erst am 23. November um 18 Uhr vom Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg, der evangelischen Kirche und der altkatholischen Kirche organisiert wird. Im Anschluss findet eine kleine Agape statt, und auch Seelsorgende stehen für Gespräche bereit. "Viele Menschen kommen leichter mit jenen in den Dialog, die ihre Erfahrung teilen, und das stärkt ein Gefühl der Solidarität", heißt es im Einladungstext.
Fachtagung und "Papageno-Preis"
Am 10. September widmet sich zudem auch eine Fachtagung in Linz der Suizidprävention. Bei der Veranstaltung der kirchlichen Beratungseinrichtung beziehungleben.at unter dem Motto "Dem Leben Sinn geben" referieren von 14 bis 17 Uhr im OÖ Nachrichten Forum Top-Experten wie Thomas Niederkrotenthaler von der MedUni Wien, Adelheid Kastner vom Kepler-Uniklinikum Linz und der Psychotherapeut Alfried Längle; Grußworte kommen von Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander. An einer abschließenden Podiumsdiskussion beteiligen sich auch Katharina Raninger vom Keplerklinkum Linz und Silvia Breitwieser von der Telefonseelsorge. Am Tag davor findet um 9 Uhr eine Pressekonferenz im OÖ-Presseclub statt.
Am Suizidpräventionstag wird in Wien auch erneut der "Papageno-Medienpreis für suizidpräventive Berichterstattung" vergeben. Bereits zum achten Mal würdigt die Auszeichnung journalistische Beiträge, die sich besonders für Suizidprävention einsetzen. Der mit 5.000 Euro dotierte Medienpreis wird durch das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), die Österreichische Gesellschaft für Suizidprävention (ÖGS), die Wiener Werkstätte für Suizidforschung, das Kriseninterventionszentrum Wien, den Presserat und den Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien (VsUM) verliehen. Die Verleihung am 10. September um 18 Uhr im Presseclub Concordia kann auch via Livestream auf ORF ON sowie auf dem YouTube-Kanal des Ministeriums mitverfolgt werden.
Laut Gesundheitsministerium sterben österreichweit pro Jahr rund 1.200 Personen durch Suizid. Die Zahl der Suizidtoten ist damit fast dreieinhalbmal so hoch wie jene der Verkehrstoten. Suizid ist bis zum 50. Lebensjahr eine der häufigsten Todesursachen, in der Altersgruppe 15 bis 29 Jahre sogar die zweithäufigste.
(S E R V I C E - Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und gebührenfrei unter der Notrufnummer 142 erreichbar sowie unter www.telefonseelsorge.at. Spezielle Hilfe für Jugendliche bietet "Rat auf Draht", Notrufnummer 147. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Gesundheitsministerium unter www.suizid-praevention.gv.at)
"mental health days"-Initiator im Kathpress-Interview über Suizid-Mythen, Gefährdungen und Hilfsangebote: "Beinahe jeder Mensch hat einmal Suizidgedanken"
Experte Schlemmer über Beratung schwerkranker Menschen mit Sterbewünschen: Suizidprävention braucht Zuhören, menschliche Zuwendung und verlässliche Begleitung