Bischöfe vor Wahl in Sachsen-Anhalt: Letzte Warnung vor AfD
03.09.202610:33
(zuletzt bearbeitet am 03.09.2026 um 13:40 Uhr)
Deutschland/Wahl/Kirche/Parteien
Deutscher Bischofskonferenz-Vorsitzender Wilmer: Im Parteinamen formulierte Alternative für Deutschland sei "eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden" - Katholikenkomitee: Gegen AfD stimmen
Berlin/Frankfurt, 03.09.2026 (KAP/KNA) Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag haben mehrere katholische Bischöfe erneut die ablehnende Haltung der Kirche zur AfD betont. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, erklärte, die rechtspopulistische Partei attackiere die Grundwerte und hintergehe den demokratischen Staat. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch betonte, dass völkischer Nationalismus nicht mit der Position der Kirche vereinbar sei.
Im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Wilmer am Donnerstag, dass Christinnen und Christen für Nächstenliebe und Menschenwürde stünden, insbesondere für die Schwächsten der Gesellschaft. "Dazu gibt es keine Alternative, weder in Deutschland noch anderswo", betonte der Münsteraner Bischof. Die im Parteinamen formulierte Alternative für Deutschland sei "eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden".
Wilmer: Herausforderungen anerkennen
Den Erfolg der AfD, die bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt laut aktuellen Umfragen mit rund 40 Prozent mit Abstand stärkste Kraft werden könnte, führt Wilmer auch darauf zurück, dass sich Menschen von Politikern der etablierten Parteien nicht ernstgenommen fühlten. Gleichzeitig müsse aber auch anerkannt werden, dass es aktuell viele Herausforderungen wie Kriege, Klimakrise und wirtschaftliche Umbrüche gebe. "Das kann sehr leicht überfordern. Und da sind einfache Antworten, mit denen das Blaue vom Himmel versprochen wird, verlockend", erklärte Wilmer. "Sie sind aber keine Lösung, sondern es braucht, auch in der Politik, Differenzierung und Ehrlichkeit."
Die Kirche wolle und könne keine Wahlvorschriften machen, stellte Wilmer gleichzeitig klar. "Ich appelliere an die Mündigkeit der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt, ihr Gewissen zu schärfen. Migranten stören nicht."
Koch: Menschenwürde nicht verhandelbar
Der Berliner Erzbischof Koch nannte es die Rolle der Kirche, vor Fehlentwicklungen zu warnen und aktiv für die Demokratie einzustehen. Es gehe um Themen, die für Christen nicht verhandelbar seien, etwa die unveräußerliche Menschenwürde jedes Einzelnen, sagte Koch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Über konkrete politische Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein. "Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar."
Koch zeigte sich überzeugt, dass das persönliche Gespräch entscheidend sei. "Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können, und dass wir diese Themen sehr ernst nehmen." Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. "Ich merke, dass es in nicht wenigen Pfarreien eine Zurückhaltung gibt, sich politisch zu äußern, aus Angst vor Polarisierungen. Sich zu positionieren, bedeutet nämlich auch, dass man sich gegen gewisse Ansichten mancher Mitmenschen stellt", so Koch. "Man sagt mir: 'Wenn wir die kirchliche Position zu massiv nach außen tragen, spalten wir die ohnehin kleine Gemeinde.'" Deshalb brauche es Mut und eine klare Kommunikation.
Die Kirche müsse Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwendeten. "Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen", sagte der Erzbischof. "Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!"
Katholikenkomitee: Gegen AfD stimmen
Auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, warnte vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag eindringlich vor Stimmen für die AfD. "Eine gesichert rechtsextreme Partei darf auf keinen Fall die Landesregierung bilden oder Teil davon sein. Alle demokratischen Kräfte müssen das ihre tun, um einen solch radikalen politischen Umbruch in Deutschland zu verhindern", teilte sie laut Nachrichtenagentur KNA am Donnerstag in Berlin mit.
Sie appelliert an alle Menschen in Sachsen-Anhalt, sich für demokratische Parteien zu entscheiden: "Es kommt am Sonntag auf jeden und jede Einzelne an", so Stetter-Karp.
Stimmen, die dafür plädieren, der AfD in Regierungsverantwortung beim Scheitern zuzuschauen und auf bessere Zeiten zu hoffen, widerspricht sie: "Wer das Programm der AfD in Sachsen-Anhalt aufmerksam liest, findet darin klare Zeichen. Sie ist eine Gegnerin der liberalen Demokratie und strebt einen schnellen und deutlichen Umbau des Bundeslandes an."
Stetter-Karp: AfD-Angebot ist vergiftet
Die Verantwortung für angebliche Missstände in Sachsen-Anhalt schiebe die AfD den anderen Parteien zu und stilisiere sich selbst zur Erlöserin, sagte die ZdK-Präsidentin. Diese Erlösung aber sei ein vergiftetes Angebot: "Wer eine völkisch-nationale Vorstellung von 'Bevölkerung' hat, denkt weite Teile der deutschen Bevölkerung gar nicht mehr mit, möchte sie loswerden."
Diese Haltung sei mit einem christlichen Verständnis des Zusammenlebens und der Soziallehre unvereinbar. "Mit allen Kräften müssen wir uns jetzt gemeinsam für Menschlichkeit und für die Menschenwürde aller stark machen. Christsein und Demokratie gehören zusammen."
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