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John Henry Newman
Bild Copyright: © Mazur/catholicnews.org.uk

Theologen: Newman bleibt für Gewissens- und Glaubensfragen aktuell

03.09.2026 13:15
Österreich/Kirche/Wissenschaft/Theologie
Internationale Theologische Sommerakademie befasste sich in Haag mit dem neuen Kirchenlehrer, seiner Gewissenslehre und der Entwicklung von Dogmen
St. Pölten, 03.09.2026 (KAP) Die Theologie John Henry Newmans (1801-1890) ist nach Einschätzung des Leiters der Internationalen Theologischen Sommerakademie, Helmut Prader, auch für gegenwärtige Debatten über Gewissen, kirchliche Lehre und Dogmenentwicklung relevant. "Man kann tatsächlich sagen, dass seine Vorstellung von Gewissen das ist, was im Zweiten Vatikanum in 'Gaudium et spes' festgeschrieben worden ist", sagte der Moraltheologe am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Die von ihm geleitete 36. Auflage der dreitägigen Sommerakademie, die am Mittwoch zu Ende ging, widmete sich heuer dem 1890 verstorbenen englischen Kardinal, der Ende 2025 zum Kirchenlehrer erhoben wurde.

Newman sei für die Tagung auch deshalb besonders interessant gewesen, weil sich in seiner Biografie eine ungewöhnliche Verbindung von theologischer Wahrheitsfrage und persönlicher Gewissensentscheidung zeige, so Prader. Der ursprünglich anglikanische Geistliche habe keineswegs katholisch werden wollen, sondern über Jahre versucht, die katholische Kirche als wahre Kirche zu widerlegen. Seine intensive Beschäftigung mit den Kirchenvätern führte ihn schließlich zu einer anderen Überzeugung. "Die Väter haben mich katholisch gemacht", zitierte bei der Tagung Sr. Birgit Dechant den späteren Kardinal bei ihrem Vortrag über dessen Leben.

Dechant, die am internationalen Zentrum der Newman-Freunde in Littlemore bei Oxford tätig ist, schilderte Newmans erste religiöse Bekehrung im Alter von 15 Jahren. Ein Jahr später begann er sein Universitätsstudium in Oxford, mit 21 Jahren wurde er bereits Professor. Nach seiner Priesterweihe wirkte er als Universitätspfarrer und gründete 1833 die Oxford-Bewegung. Die Beschäftigung mit den Kirchenvätern und der Frage nach der Entwicklung der Glaubenslehre führte ihn schließlich zur Konversion. "Der Ruf des Gewissens war stärker", fasste Dechant den entscheidenden Schritt zusammen.

Umfassendes Universitäts-Verständnis

Mit der Konversion zum Katholizismus waren für Newman erhebliche persönliche Konsequenzen verbunden. Er verlor seine anglikanischen Ämter und musste seine bisherige akademische und gesellschaftliche Stellung weitgehend aufgeben. Als katholischer Priester erhielt er später den Auftrag, in Dublin eine katholische Universität aufzubauen. Das Vorhaben scheiterte an innerkirchlichen Spannungen. Seine Vorträge über "Das Wesen der Universität" von 1852 zählen laut Dechant dennoch "zum Besten, das zu diesem Thema geschrieben worden ist". Auch weitere Projekte, darunter eine Bibelübersetzung und die Herausgabe der katholischen Zeitschrift "The Rambler", scheiterten. 1879 ernannte Papst Leo XIII. Newman zum Kardinal.

Der Dogmatiker Wolfgang Klausnitzer beschäftigte sich bei der Sommerakademie mit Newmans Verständnis der Universität. Diese sollte nicht bloß der Berufsausbildung dienen, sondern eine umfassende Bildung ermöglichen. Newman wollte die verschiedenen Wissenschaften miteinander ins Gespräch bringen und verhindern, dass einzelne Disziplinen ihre jeweilige Perspektive zur alleinigen Wahrheit erklären. "Oxford stand für all das, was für Newman Bedeutung hatte", sagte Klausnitzer. Zur universitären Bildung gehörten für Newman Neugier, die Fähigkeit zum Denken über Fachgrenzen hinweg und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wissenschaften.

Auch das Verhältnis von Gewissen und kirchlicher Autorität wurde anhand Newmans untersucht. Der Kardinal verstand das Gewissen nicht als bloß subjektive Entscheidungsinstanz, sondern als Ort der verantwortlichen Suche nach Wahrheit. Zugleich hielt er an der Verbindlichkeit katholischer Lehre fest. In der Diskussion wurde damit eine Frage aufgegriffen, die bis heute für das Verhältnis von persönlicher Überzeugung, kirchlichem Lehramt und Papstamt von Bedeutung ist. Prader verwies gegenüber Kathpress darauf, dass Newman kein systematischer Theologe gewesen sei, sondern vor allem in Essays und zahlreichen Briefen gearbeitet habe.

Newmans Einfluss auf Dogmen und das Konzil

Ein Schwerpunkt lag auch auf der Entwicklung von Dogmen und dem Verhältnis von Tradition und Erneuerung. Pater Johannes Nebel, Leiter des Leo-Scheffczyk-Zentrums in Bregenz, warnte vor einer Orientierung kirchlicher Lehre an bloßer gesellschaftlicher Opportunität. "Kirchliche Tradition ist kontinuierliche Entwicklung", betonte Nebel. Zugleich müsse diese Entwicklung in der Kontinuität mit der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung stehen. Gerade die Frage, wie Neues in der Kirche entstehen könne, ohne den Zusammenhang mit ihrem Ursprung aufzugeben, gehöre zu den dauerhaft relevanten theologischen Fragen.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung von Konzilien für die kirchliche Lehre behandelt. Der Dogmatiker Manuel Schlögl hatte bei der vorangegangenen Sommerakademie das Konzil von Nizäa aus dem Jahr 325 und dessen Bedeutung für die Entwicklung des christlichen Glaubensbekenntnisses untersucht. "Das göttliche Wort ist nicht in einer einmaligen Sprache oder gar in einem Buch enthalten, sondern ist Person geworden", sagte Schlögl. Die Frage nach verbindlicher Lehre, ihrer Formulierung und ihrer Kontinuität zur apostolischen Überlieferung bildete damit eine Brücke zur Beschäftigung mit Newman und seiner Dogmenentwicklungstheorie.

Haag statt Aigen

Die Sommerakademie fand heuer erstmals in Haag in Niederösterreich statt, nachdem sie einst in Aigen im Mühlkreis gegründet und über Jahrzehnte dort abgehalten worden war. Ausschlaggebend für den Umzug waren laut Prader unter anderem die bessere Verkehrsanbindung, niedrigere Übernachtungskosten und ein gutes Raumangebot im Pfarrhof als Veranstaltungsort. Mit rund 60 Teilnehmern vor Ort - unter ihnen auch der Vorsitzende der Ukranischen Bischofskonferenz, Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki (Lemberg) und der emeritierte Schweizer Weihbischof Marian Eleganti - und etwa ebenso vielen Online-Teilnehmern habe die Akademie heuer deutlich mehr Zuspruch als im Vorjahr verzeichnet. Neu ist zudem die Kooperation mit der Kardinal-Scheffczyk-Gesellschaft.

Für 2027 soll dem Akademieleiter zufolge der Schwerpunkt bei der Frage "Welche Relevanz hat Jesus Christus für die Gesellschaft?" liegen. Einbezogen wird dabei auch der anstehende 100. Geburtstag Joseph Ratzingers. (Infos: www.theologische-sommerakademie.at)
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