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Brasilien: Gewalt gegen Indigene nimmt weiter zu

03.09.2026 08:15
Brasilien/Österreich/Menschenrechte/Minderheiten/Gewalt/Mord/Entwicklungshilfe
Bericht des Indigenen-Missionsrates für 2025 dokumentiert mehr Morde, Selbstmorde und Landkonflikte - Kritik an fehlendem staatlichem Schutz und ungesicherten Landrechten
Brasilia/Wien, 03.09.2026 (KAP) Gewalt, Landkonflikte und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen setzen indigene Gemeinschaften in Brasilien weiterhin unter Druck. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht des Indigenen-Missionsrates (CIMI), einer langjährigen brasilianischen Partnerorganisation der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar. Allein 2025 wurden demnach 258 Indigene ermordet. Besonders betroffen sind auch Kinder: 1.024 indigene Säuglinge und Kleinkinder bis vier Jahre starben im vergangenen Jahr.

Ein zentrales Problem sind die vielfach ungeklärten Landrechte. Von den 1.443 bestehenden oder beanspruchten indigenen Territorien Brasiliens waren bei 897 die staatlichen Verfahren zur Anerkennung und Regulierung noch nicht abgeschlossen. In 582 Fällen hatte ein offizielles Verfahren zur Abgrenzung und Anerkennung noch gar nicht begonnen.

Gleichzeitig dringen Goldsucher, Holzfäller, Viehzüchter und andere Akteure in indigene Gebiete ein und nutzen deren natürliche Ressourcen. Auch bereits offiziell anerkannte Territorien sind davor nicht ausreichend geschützt. CIMI dokumentierte 2025 insgesamt 210 Fälle von Invasionen, illegaler Ausbeutung und anderen Schäden an indigenem Eigentum. Hinzu kamen 169 Konflikte um territoriale Rechte.

Immer mehr Morde an Indigenen

Mit den Landkonflikten geht vielfach direkte Gewalt einher. Die Zahl der registrierten Morde an Indigenen stieg von 211 im Jahr 2024 auf 258 im Jahr 2025. Insgesamt dokumentierte CIMI 474 Fälle von Gewalt gegen Personen. Dazu gehörten neben Morden auch Mordversuche, Körperverletzungen, Drohungen, sexuelle Gewalt sowie rassistische und ethnisch motivierte Übergriffe.

Besonders dramatisch ist die Situation von Kindern. 2025 starben 1.024 indigene Kinder im Alter von bis zu vier Jahren. Zu den häufigsten Ursachen zählten Atemwegs- und Darmerkrankungen sowie Unterernährung. Nach Einschätzung von CIMI wären 586 der Todesfälle - mehr als die Hälfte - durch bessere Versorgung vermeidbar gewesen.

Fehlende Versorgung und staatlicher Schutz

Der Bericht beschreibt auch zahlreiche Defizite bei Gesundheitsversorgung, Bildung und grundlegender Infrastruktur. In vielen indigenen Gebieten fehlt es demnach an medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser, sanitärer Infrastruktur oder ausreichend ausgestatteten Schulen. Zusätzlich werden Flüsse und andere Wasserquellen durch Pestizide sowie Quecksilber aus dem illegalen Goldabbau verschmutzt.

Auch die Zahl der Suizide ist gestiegen: CIMI registrierte 2025 insgesamt 215 Fälle nach 208 im Jahr davor. Besonders häufig betroffen waren junge Menschen. Der Missionsrat wertet die mangelnde staatliche Unterstützung und den fehlenden Schutz indigener Rechte als eine Form von Gewalt durch staatliche Untätigkeit.

Land Grundlage für selbstbestimmtes Leben

Gesicherte Landrechte sind für indigene Gemeinschaften von grundlegender Bedeutung. Sie ermöglichen es ihnen, ihre Lebensweise und Kultur zu bewahren und ihre natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. CIMI unterstützt indigene Gemeinschaften deshalb bei der Durchsetzung ihrer Rechte, bei Behördenwegen und öffentlichen Aktionen sowie bei der Vernetzung untereinander. Auch zweisprachige Bildungsangebote zur Stärkung indigener Sprachen und Kulturen werden unterstützt.

Die Dreikönigsaktion unterstützt CIMI seit vielen Jahren. Der aktuelle Bericht zeige, dass indigene Gemeinschaften trotz einzelner Fortschritte weiterhin Gewalt, Vertreibung und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt seien. Die Arbeit für den Schutz ihrer Rechte und Territorien bleibe daher dringend notwendig, so das Hilfswerk der Katholischen Jungschar. (Deutsche Kurzfassung des Berichts: https://www.dka.at/fileadmin/dk/06_spenden/spendenprojekte/brasilien_CIMI/kurzfassung-gewalt-indigenen-volker-brasilien-2025-cimi__1_.pdf)
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