Weil palästinensischen Lehrkräften die Einreise verweigert wird - Von Andrea Krogmann (KNA)
Jerusalem, 01.09.2026 (KAP/KNA) Rund 10.000 Schülerinnen und Schüler an christlichen Schulen in Jerusalem haben am Dienstag nicht wie geplant das neue Schuljahr begonnen. Bis Montagabend lag für rund 70 Lehrkräfte und Mitarbeiter keine Verlängerung ihrer Einreisegenehmigung vonseiten Israels vor, erklärte das Generalsekretariat für christliche Bildungseinrichtungen in Jerusalem. Der Unterricht werde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.
Das Aussetzen der Einreisegenehmigungen für Lehrer, pädagogisches, administratives und unterstützendes Personal erfolgte laut Mitteilung unangekündigt und hat Auswirkungen auf breite Aspekte des Schulbetriebs. Es sei daher unmöglich, den Schülern einen sicheren und stabilen Start ins Schuljahr zu gewähren. Die Entscheidung sei auch in Rücksprache mit den Eltern erfolgt.
Die Einrichtungen warfen Israel vor, durch wiederholte Maßnahmen dieser Art die Stabilität der Schulen zu untergraben und sich so negativ auf Schüler, Familien, Lehrer und die Gesellschaft als Ganzes auszuwirken. Christliche Schulen seien ein fester Bestandteil der Identität Jerusalems und nähmen seit Jahrhunderten einen tief verwurzelten pädagogischen und humanitären Auftrag wahr, der eine Kultur des gerechten Friedens pflege, so das Büro. Neben dem Recht der Schüler auf Bildung gelte es auch, diesen Bildungsauftrag zu schützen.
Armenier schließen sich an
Ein Vertreter der armenischen Gemeinschaft in Jerusalem erklärte am Montagabend auf Facebook, die Schule des armenischen Patriarchates werde sich dem Streik der im Generalsekretariat zusammengeschlossenen Schulen anschließen. "Wir stehen als eine Kirche vereint zusammen", erklärte er.
Bereits im Jänner hatten die zwölf christlichen Schulen Jerusalems den Betrieb zwischenzeitlich eingestellt, nachdem Israel die Arbeitserlaubnis von rund 170 Lehrern aus dem von Israel besetzten Westjordanland widerrufen hatte. Ein Einlenken Israels ermöglichte die Fortsetzung des Schuljahres. Zusätzlich zur Problematik der Genehmigungen stehen Ostjerusalemer Schulen unter Druck, bisher genutzte palästinensische Lehrpläne zugunsten des israelischen Curriculums aufzugeben.
Israelische statt palästinensische Lehrpläne
Wie die Zeitung "Haaretz" am Montag berichtete, werden erstmals seit der international nicht anerkannten Annexion Ostjerusalems durch Israel (1967) alle neuen Erst- und Siebtklässler an öffentlichen Schulen nach israelischen Lehrplänen das Schuljahr beginnen. Damit würden rund 45.000 von 120.000 palästinensischen Schülern in Ostjerusalem nach israelischen Lehrplänen unterrichtet, gegenüber weniger als 13.000 vor sechs Jahren.
Der Wechsel erfolgte demnach sowohl auf Druck der israelischen Regierung als auch der betroffenen Eltern, die ihren Kindern damit den Weg ins israelische Hochschulsystem und den Arbeitsmarkt erleichtern wollen. Unter anderem hatte Israel Gesetze erlassen, nach denen Abschlüsse palästinensischer Universitäten im Westjordanland nicht mehr anerkannt werden. Auch die Schließung der Schulen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA in Ostjerusalem trägt laut "Haaretz" zu einer Israelisierung des Bildungssystems bei.
"Friedenserziehung in Gefahr"
Der Jerusalemer Kardinal und Lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa, bezeichnete die Schulen zuletzt als "das vielleicht schönste Geschenk" der Kirchen an das Land. Sie hätten Generationen von Führungskräften und Fachleuten aller Religionen hervorgebracht. Verweigerte Einreisegenehmigungen, unter anderem für Lehrkräfte aus Bethlehem, gefährdeten die Fähigkeit der Schulen, ihre christliche Identität zu wahren. Damit sei ein Bildungsmodell in Gefahr, das die junge Generation zu Frieden erziehe - trotz des anhaltenden Konflikts.