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Politologe: Niedergang bürgerlicher Parteien nicht unumkehrbar

31.08.2026 12:51
Deutschland/Politik/Partei/Wahl/CDU/AfD/Höhne
Chemnitzer Politologe Höhne auf "communio.de": "Rückkehr zu den konfessionellen Milieus der Nachkriegszeit ist weder möglich noch wünschenswert" - CDU vor Landtagswahlen im September in Ostdeutschland "fragil wie nie zuvor" - "Autoritäre Versuchung" einer Koalition mit der AfD könnte Bundesregierung insgesamt gefährden
Freiburg, 31.08.2026 (KAP) Der Niedergang christdemokratisch-konservativer Parteien in Europa ist nicht unumkehrbar. Eine solche Kehrtwende werde jedoch nicht in einem "einfachen Zurück zu den Kirchen" bestehen, sondern einen ganzen Strauß an Maßnahmen beinhalten müssen - von personellen Neuaufstellungen über Kommunikationsmaßnahmen bis hin zu einer Wiederentdeckung von Werten eines "zeitgemäßen christdemokratischen Konservatismus" wie Menschenwürde, Gemeinwohl, Nächstenliebe, Subsidiarität, Generationengerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung: Das hat der an der Universität Chemnitz lehrende Politologe und Parteienforscher Benjamin Höhne in einem Gastbeitrag für das Portal "communio.de" betont.

Ein christdemokratischer neuer Konservatismus hätte dann eine Zukunft, so Höhne, "wenn er nicht gegen gesellschaftliche Veränderung ankämpft, sondern mitbestimmt, was in einer unübersichtlichen und unsicheren Welt bewahrt werden muss". Ein einfaches Zurück zu "konfessionellen Milieus der Nachkriegszeit" sei "weder möglich noch wünschenswert", schreibt Höhne in seinem Beitrag, in dem er die Situation christlich-konservativer Parteien in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich beleuchtet. Im Fokus steht dabei die deutsche CDU, deren Zustand vor den Landtagswahlen im September in Ostdeutschland "fragil wie nie zuvor" sei. Die Demoskopen erwarten herbe Verluste bei den Volksparteien und starke Zuwächse bei der AfD.

Warnung vor "autoritärer Versuchung" zur Koalition

Sollte die CDU nach den Wahlen am kommenden Wochenende in Sachsen-Anhalt der "autoritären Versuchung" erliegen und - durchaus nach Vorbild früherer Koalitionen in Österreich - eine Koalition mit der AfD eingehen, würde dies eine Zerreißprobe für die Partei wie für die gesamte Bundesregierung darstellen, führte Höhne aus. Es könnte "das Ende der deutschen Christdemokratie einläuten und die Union aufspalten", auch Kanzler Friedrich Merz müsste um seinen Posten bangen - und die SPD könnte aus Protest die Koalition auf Bundesebene aufkündigen.

Im Blick auf die Situation in Ostdeutschland verwies der Politologe zudem auf eine wichtige, oft übersehene Differenz: So stelle die ostdeutsche CDU nicht einfach ein "regionales Abbild der West-CDU" dar. Vielmehr seien die Parteien durch sehr unterschiedliche Wählerschichten und auch geschichtlich unterschiedliche Kontexte geprägt: Während die West-CDU durch katholisches Milieus und eine klare antikommunistische Haltung aus der Zeit der Ostblock-Politik geprägt wurde, entstand die Ost-CDU in der Zeit der Transformation nach 1990 und also weniger klaren Wertgerüsten.

Weiterer Niedergang würde politische Mitte in Europa schwächen

Ein anhaltender Bindungsverlust christdemokratisch-konservativer Parteien wäre aber auch jenseits aktueller Fragen der Wahlarithmetik von Bedeutung, so Höhne: "Der Niedergang christdemokratisch-konservativer Parteien sollte nicht nur in funktionaler Hinsicht als Verlust eines einst überaus erfolgreichen Parteientypus' verstanden werden, der wesentliche Integrations-, Vermittlungs- und Regierungsleistungen in europäischen Parteiensystemen erbracht hat. Vielmehr verliert das politische Europa auch eine politische Mitte, die soziale Gegensätze moderierte und politische Verantwortung mit christlichen Wertebindungen verband."

(Wortlaut des Gastbeitrags unter: www.herder.de/communio/gesellschaft/was-sich-aus-dem-niedergang-christdemokratischer-parteien-lernen-und-wie-er-sich-stoppen-laesst-zurueck-in-die-zukunft)
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