Marketz: Christliche Bildung nimmt Maß am biblischen Liebesgebot
20.06.202615:01
Österreich/Bildung/Schule/Kirche/Marketz
Kärntner Bischof bei 80-Jahr-Jubiläum der Bildungseinrichtungen in Tanzenberg: "Evangelium verbindet Herz und Verstand, Glauben und Denken, Bildung und Menschlichkeit"
Klagenfurt, 20.06.2026 (KAP) Jesu Gebot der Gottes- und Nächstenliebe ist der grundlegende Maßstab für christliche Bildung. Darauf hat Bischof Marketz am Samstag beim Festgottesdienst zum 80-jährigen Bestehen des Bundesgymnasiums Tanzenberg und des dortigen Marianums hingewiesen. Die Feierlichkeiten standen unter dem Motto "Tanzenberg im Blick" und erinnerten an die Gründung des Knabenseminars der Diözese Gurk im Jahr 1946, aus dem das heutige Gymnasium hervorging. Den Auftakt der Festveranstaltung bildete ein Festgottesdienst mit Bischof Marketz und Marianum-Rektor Franjo Vidovi in der Seminarkirche. Nach dem Gottesdienst fand ein Festakt in der Seminarkirche statt.
In der Predigt betonte der Kärntner Bischof den besonderen Anspruch der Bildungseinrichtungen: "Eine humanistische Schule vermittelt Wissen. Sie erschließt die großen Schätze der Kultur, der Sprache, der Geschichte und des Denkens. Sie lehrt, Fragen zu stellen und kritisch zu denken. Doch christliche Bildung möchte noch mehr. Sie fragt nicht nur: Was weiß ein Mensch? Sondern auch: Wer ist dieser Mensch? Wofür setzt er sein Wissen ein? Welche Werte tragen sein Leben?"
Denken und glauben
Wissen allein mache noch keinen guten Menschen, so der Bischof. Man könne vieles wissen und trotzdem den Blick für den Mitmenschen verlieren; man könne erfolgreich sein und dennoch innerlich arm bleiben. "Darum verbindet das Evangelium Herz und Verstand, Glauben und Denken, Bildung und Menschlichkeit." Gerade darin liegt die besondere Berufung der Bildungseinrichtungen in Tanzenberg. Seit acht Jahrzehnten werde hier versucht, junge Menschen nicht nur auszubilden, sondern zu bilden: "Menschen, die denken können und glauben dürfen, die Verantwortung übernehmen und sich für andere einsetzen."
Das kirchliche Knabenseminar erinnere dabei an eine weitere wichtige Dimension: "Es war immer mehr als ein Internat oder eine Ausbildungsstätte. Es wollte jungen Menschen helfen, auf die Stimme Gottes im eigenen Leben zu hören", so Marketz.
Bleibende Aufgabe für christliche Bildungsanstalten sei es, "jungen Menschen Orientierung zu geben in einer Zeit, die oft von Unsicherheit, Reizüberflutung und schnellen Antworten geprägt ist". Marketz wörtlich: "Die wichtigste Frage lautet auch heute nicht: Was werde ich einmal besitzen? Sondern: Wer möchte ich werden? Jesus sagt: Ein Leben gewinnt seinen Sinn dort, wo die Liebe zu Gott und zum Nächsten Gestalt annimmt."
Bewegte und lange Geschichte
Die Geschichte des Bildungsstandortes reicht bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurück. Nachdem das Schloss Tanzenberg während der NS-Zeit enteignet worden war, siedelte die Diözese Gurk 1946 ihr Knabenseminar Marianum nach Tanzenberg an. Die Einrichtung wurde zunächst als Expositur des damaligen Bundesgymnasiums Völkermarkter Ring in Klagenfurt geführt und diente vor allem der Vorbereitung junger Männer auf den Priesterberuf. Seit Ende der 1960er-Jahre steht die Schule auch externen Schülerinnen und Schülern offen.
1980 wurde das Gymnasium eigenständig. Derzeit besuchen 560 Schülerinnen und Schüler die 23 Klassen des Bundesgymnasiums Tanzenberg, das seit dem Jahr 2022 den Titel "UNESCO-Schule" trägt. Mit Ende des Schuljahres 2008/2009 lief der Vollinternatsbetrieb im "Kleinen Seminar Marianum" in Tanzenberg aus. Heute bilden das Bundesgymnasium und das Marianum gemeinsam einen wichtigen Bildungsstandort der Diözese Gurk in Kärnten. (Link: www.tanzenberg.at)