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Der Theologe Paul M. Zulehner bei einem Kathpress-Interview am 17. Februar 2020 in Wien
Soziallehre
Bild Copyright: © Kathpress / Johannes Pernsteiner

Zulehner würdigt "grandiose" erste Papst-Enzyklika

26.05.2026 11:16
Österreich/Kirche/Papst/Wissenschaft/Technologie/Enzyklika/Zulehner
Wiener Theologe über Sozialenzyklika von Leo XIV.: "Papst zieht alle sozialethischen Register, um dem Segen eine Chance zu geben: also der Wahrheit, der Gerechtigkeit, dem Frieden und über allem der unantastbaren Würde aller"
Wien, 26.05.2026 (KAP) Der Wiener Theologe Paul Zulehner hat die neue Sozialenzyklika von Papst Leo XIV. zum Thema KI als "grandios" gewürdigt. Wie Vorgänger Franziskus mit der Enzyklika "Laudato si" werde Leo mit dem Lehrschreiben "Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) in die Geschichte eingehen, kommentierte Zulehner in seinem Blog: "Leo zieht alle sozialethischen Register, um dem Segen eine Chance zu geben: also der Wahrheit, der Gerechtigkeit, dem Frieden und über allem der unantastbaren Würde aller."

In der am Pfingstmontag veröffentlichten Enzyklika verdeutlicht der Papst, dass die Menschheit im digitalen Zeitalter an einer epochalen Wegscheide stehe und fordert wertebasierte Regeln und gesellschaftliche Kontrolle beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Aus Sicht des Papstes droht aktuell "die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird". Zwar sei Technik an sich nicht menschenfeindlich; sie habe zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen beigetragen. Zugleich habe "jede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind", so Leo XIV.

"Wie der Zugriff auf den Atomkern und den Zellkern kann auch diese epochale Innovation der Menschheit zugleich zum Segen oder zum Fluch geraten", erklärt auch Zulehner. Leo XIV. präsentiere sich nicht als "technischer KI-Spezialist", sondern respektiere diesbezüglich die Fähigkeiten einschlägiger Fachleute. "Aber er bedenkt tiefschürfend, was die 'Microchips' mit den Menschen, mit der Menschheit anrichten", so der Theologe.

"Errungenschaft KI nicht für zerstörerische Macht missbrauchen"

Wie viele andere kirchliche Lehrschreiben habe die Enzyklika auch "eine marianische Coda", verweist Zulehner auf den Schluss der Enzyklika. Dort legt der Papst Glaube, Liebe, Hoffnung und Gebet als die vier Punkte eines Programms für ein christliches Leben dar. Dabei geht er auch auf das Magnificat, den in der Bibel überlieferten Lobgesang Mariens ein - und zwar als "Preisgesang gegen den Hochmut der Mächtigen und Lob der Demut", wie Zulehner schreibt.

Leo habe also Eigenschaftswort "magnifica" aus dem Titel der Enzyklika lediglich ein "t" anhängen müssen, "und schon war er inmitten einer politischen Spiritualität angelangt", so der Theologe: "Der Papst fleht gleichsam den Himmel an, dass die Errungenschaft künstlicher Intelligenz nicht für zerstörerische Macht, Unrecht und Kriege missbraucht wird, sondern dass sie durch die Stärke des Mutes zum Dienen zum Wohl der Menschheit, und hier der Armen und Schwachen eingesetzt wird."

(Wortlaut der Enzyklika auf der Vatikan-Website, deutsch: www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html)

(Kathpress-Themenschwerpunkt mit allen Meldungen zur ersten Enzyklika von Leo XIV. abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-Leo-Enzyklika-Magnifica-Humanitas)
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