Entwicklungsorganisation gegen Abschaffung der Anrechenbarkeit des Auslandsdienstes als Zivildienstersatz
Wien, 06.05.2026 (KAP) Die Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt hat scharfe Kritik an der Bundesministerin für Europa, Integration und Familie Claudia Bauer (ÖVP) und ihrer Haltung zum Auslandszivildienst geübt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress (2. Mai) hatte Bauer über eine zunehmende Inanspruchnahme von Auslands-Freiwilligendiensten als Ersatz für den Zivildienst geklagt. "Das mögen zwar super Erfahrungen sein, wenn man Kinderbetreuung in Indien oder Wiederbewaldung in Costa Rica betreibt. Aber diese Burschen werden dringender in Österreich gebraucht", sagte Bauer. Dass eine Vielzahl an Zivildienern aufgrund von Auslandsdiensten in Österreich fehle oder ihre Arbeit keinen Wert für Österreich habe, will die Hilfsorganisation nicht unkommentiert lassen.
Wer einen Zivilersatzdienst im Ausland leiste, stärke dabei nicht nur Österreichs Beitrag zu einer solidarischen globalen Gemeinschaft, sondern auch die Gesellschaft in Österreich, hielt "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer Reinhard Heiserer der Ministerin Mittwoch via Aussendung entgegen. "Viele Rückkehrer von Zivilersatzdiensten im Ausland entscheiden sich anschließend in Österreich für ein entsprechendes Studium oder eine berufliche Tätigkeit im Sozial- und Bildungsbereich. Zum Beispiel als Kindergartenpädagogen oder Volksschullehrer - eben in Bereichen, in denen aktuell bzw. künftig in Österreich ein Mangel besteht", berichtete Heiserer. Zudem blieben viele weiterhin freiwillig engagiert.
Abschaffung "schade Österreich"
Angesichts eines Rückgangs an Zivildienstleistenden drängt Ministerin Bauer auf eine Reform des Systems, einschließlich einer möglichen Verlängerung des Zivildienstes, und stellt eine Abschaffung der Anrechenbarkeit für Auslandsdienste als Zivildienstersatz infrage. Eine solche würde "nicht nur Engagement-Möglichkeiten junger Männer einschränken, sondern auch Österreich nachhaltig schaden", übte Heiserer Kritik an den Plänen der Ministerin, die lediglich für den Gedenkdienst - beispielsweise in Holocaust-Gedenkstätten in Jerusalem, Yad Vashem oder auch in Auschwitz - eine Ausnahme machen möchte.
"Österreich muss nicht nur, wie Ministerin Bauer völlig zurecht feststellt, seiner historischen Verantwortung - Stichwort: Gedenkdienst im Ausland - nachkommen, sondern auch seiner aktuellen", insistierte Heiserer. "Österreich hört nicht an seinen Grenzen auf." Es gehe bei Auslandsdiensten nicht um die "Wiederbewaldung in Costa Rica" oder "Kinderbetreuung in Indien", wie es Ministerin Bauer "bewusst polarisierend" formuliert habe, "sondern um die Präsenz von Österreich an den Rändern der Welt, eben dort, wo Menschen für Österreichs Wohlstand arbeiten", so der "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer.
Jugend Eine Welt ermöglicht über die Entsendeorganisation "Volontariat bewegt", deren Träger Jugend Eine Welt gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos ist, jungen Freiwilligen ihren Zivilersatzdienst im Ausland zu absolvieren. (Info: www.volontariat.at)
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