Metropolit Yevstratiy: "Negativer Selektionsprozess" in Moskauer Patriarchat lässt nur Staats-Loyale in Führungspositionen aufsteigen
Kiew, 06.05.2026 (KAP) Vor zunehmender Einflussnahme des russischen Staates durch religiöse Einrichtungen warnt die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU). Metropolit Yevstratiy (Zoria), Sprecher der OKU und stellvertretender Leiter des Außenkirchlichen Amtes, bezeichnete am Dienstag kirchliche Strukturen in Russland als potenziell staatlich kontrollierte Instrumente. Sie könnten, so ein Bericht des Portals risu.ua, in Russland und womöglich auch in anderen Ländern die Religionsfreiheit bedrohen.
Bei einer Pressekonferenz zum Thema "Der religiöse Faktor in der nationalen Sicherheit im Kontext des russisch-ukrainischen Krieges" verwies Yevstratiy auf Nordkorea als Beispiel: Dort sei eine orthodoxe Gemeinschaft auf Initiative der Behörden eingerichtet worden. "Der Priester und alle Mitglieder der Gemeinschaft sind von den Behörden ernannt, um Religion in einem kontrollierten Umfeld zu demonstrieren. Dies zeigt, wie Kirchenstrukturen vom Staat manipuliert werden können", erklärte der Metropolit.
Jahrhundertealtes Modell
Der orthodoxe Geistliche betonte, dass das Problem in Russland systemisch sei. "Religiöse Institutionen im Moskauer Staat dienten über Jahrhunderte primär den Interessen der Machthaber, und dieses Modell existiert bis heute fort", sagte Yevstratiy. Die moderne Moskauer Patriarchatsstruktur sei 1943 auf Entscheidung der Sowjetregierung gegründet worden, wodurch der Staat die kirchliche Entwicklung nachhaltig beeinflusste. "Über Jahrzehnte fand ein negativer Selektionsprozess statt: Diejenigen, die dem Staat am loyalsten waren, stiegen in Führungspositionen auf."
Yevstratiy kritisierte zudem, dass religiöse Strukturen in Russland den Krieg gegen die Ukraine aktiv unterstützen. "Man sieht, wie religiöse Rhetorik eingesetzt wird, um Kriegsverbrechen zu rechtfertigen und den Begriff eines sogenannten 'heiligen Krieges' zu propagieren, was dem Wesen des Christentums widerspricht", sagte der OKU-Sprecher.
Kirchen als Staatsinstrument
Den Worten Yevstratiys zufolge ist zumindest die ukrainische Bevölkerung sensibilisiert für diese Probleme: Mehr als 80 Prozent der Befragten einer Umfrage befürworteten Einschränkungen für religiöse Einrichtungen, die mit Russland verbunden sind. "Es geht nicht um die Einschränkung der Glaubensfreiheit, sondern darum, Strukturen zu bekämpfen, die Religion als Instrument hybrider Aggression missbrauchen", betonte der Priester.
Auch die Bedeutung der internationalen Kommunikation unterstrich Metropolit Yevstratiy. Die Herausforderung bestehe heute darin, "die Religionsfreiheit nicht nur vor staatlichem Druck, sondern auch vor religiösen Strukturen zu verteidigen, die zum Instrument des Staates geworden sind".