Papst: Kirche hat Auftrag, klare Worte zu sprechen
06.05.202612:31
Vatikan/Papst/Kirche/Gesellschaft/Diplomatie
Leo XIV. in Generalaudienz: Eindeutige Positionierung zugunsten der Armen, Ausgebeuteten und Opfer von Gewalt und Krieg notwendig
Vatikanstadt, 06.05.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat den Auftrag der Kirche klargestellt. Sie müsse Stellung beziehen zugunsten der Armen, der Ausgebeuteten, der Opfer von Gewalt und Krieg und all derer, die an Körper und Geist leiden, so das Kirchenoberhaupt bei der Generalaudienz am Mittwoch im Vatikan vor rund 30.000 Menschen am Petersplatz. Die Kirche sei zudem mit der Mission betraut, klare Worte zu sprechen, um alles abzulehnen, was das Leben beeinträchtigt und seine Entfaltung verhindert.
Als Papst nimmt Leo XIV. diese Aufgabe für sich selbst in Anspruch. Seit er vor einigen Wochen Aussagen von US-Präsident Donald Turmp zum Angriff der USA und Israels auf den Iran als "wahrlich inakzeptabel" verurteilt hatte, hagelt es dafür scharfe Kritik aus Washington. Am Dienstag warf Trump dem Papst erneut vor, er würde eine Atomwaffe im Iran billigen. "Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, soll er das mit der Wahrheit tun", lautete die Reaktion des Kirchenoberhaupts am Abend. Die Kirche spreche sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, daran gebe es keinen Zweifel.
Die Kirche müsse das Böse in all seinen Formen anprangern, sagte Leo XIV. am Mittwoch. Um ihre Sendung zu erfüllen müsse sie jedoch demütig die menschliche Schwäche und Vergänglichkeit ihrer Institutionen anerkennen. Sie dürften nicht verabsolutiert werden, so der Papst. "Da sie in der Geschichte und in der Zeit leben, sind sie zu ständiger Umkehr, zur Erneuerung der Formen und zur Reform der Strukturen, zur ständigen Erneuerung der Beziehungen aufgerufen, damit sie ihrer Sendung wirklich gerecht werden können."
Weitung des Horizonts
Weiters unterstrich Leo XIV. auch die geistliche Tiefe dieses Auftrags. Die Kirche sei "Hüterin einer Hoffnung, die den Weg erhellt" und müsse die Geschichte "im Licht des Evangeliums" deuten. Dabei gehe es nicht nur um aktuelle Herausforderungen, sondern auch um den Blick auf das letzte Ziel: das Reich Gottes als Reich der "Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens". In dieser Perspektive seien die Gläubigen aufgerufen, "alles in diesem endgültigen Horizont zu betrachten und zu beurteilen".
Zugleich betonte der Papst, dass die Kirche "nicht sich selbst verkündet", sondern ganz auf Christus verweisen müsse. In ihr müsse "alles auf das Heil in Christus verweisen", sagte Leo XIV. und erinnerte daran, dass die Kirche als "universales Heilssakrament" Zeichen und Werkzeug der göttlichen Verheißung sei. Das Evangelium müsse von der Kirche stets nicht nur in Worten, sondern auch im konkreten Handeln sichtbar gemacht werden.
Ständige Selbstprüfung vonnöten
Schließlich verwies Leo XIV. auf die Spannung, in der die Kirche lebe: zwischen dem bereits begonnenen Reich Gottes und seiner noch ausstehenden Vollendung. Die Gläubigen lebten in einer Welt, die von Fortschritt, aber auch von "Ungerechtigkeiten und Leiden" geprägt sei, ohne "sich Illusionen zu machen oder zu verzweifeln". Gerade daraus erwachse die Verpflichtung zur Erneuerung: Die Kirche müsse ihre Sendung "zwischen dem Schon und dem Noch-Nicht" erfüllen und dabei immer wieder ihre Strukturen und Beziehungen im Licht des Evangeliums überprüfen.