Passauer Dom erhält Mahnmal als Erinnerung an Missbrauch in Kirche
07.03.202611:23
Deutschland/Kirche/Kunst/Missbrauch/Gedenkstätte
Fast 700 Kinder und Jugendliche sind seit 1945 von katholischen Priestern der deutschen Diözese Passau sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt worden
Passau, 07.03.2026 (KAP/KNA) Im Passauer Dom wird am Sonntag ein Mahnmal gegen das Vergessen von sexuellem, gewalttätigem und geistlichem Missbrauch vorgestellt. Das kündigt die deutsche Diözese Passau auf seiner Internetseite an. Im Rahmen eines Gottesdienstes wird Bischof Stefan Oster die vom bayerischen Künstler Andreas Kuhnlein geschaffene Holzfigur enthüllen. Sie trägt den Titel "Lichtblick" und zeigt eine schwangere Frau, die den Blick nach vorn richtet. Auf Anregung des Betroffenenbeirats hatte die Diözese das Werk erstanden. Dieses soll nach Abschluss der noch laufenden Renovierungsarbeiten im Dom dauerhaft beim Marienaltar installiert werden.
Die Idee dazu kam den Angaben zufolge vom Betroffenenbeirat. Sie sei vor rund drei Jahren entstanden, im Zusammenhang mit der Freundschaft zu dem aus Unterwössen im Chiemgau stammenden Holzbildhauer Kuhnlein, erklärte Sprecher Siegfried Lang. Der Künstler hatte 2022 in seinem Heimatort in der Kirche Sankt Martin einen Andachtsraum geschaffen, der an das Leid von mehreren Jugendlichen erinnert, die auf dem Pfarrgebiet von einem inzwischen verstorbenen Pfarrer in den 1960er Jahren missbraucht worden waren. Die Holzskulpturen zeigen Verurteilung, Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Inschriften in den Fenstern des Raumes stellen einen Zusammenhang zwischen der Passion Christi und der Situation Missbrauchsbetroffener her.
Passau ist in Bayern nach der Erzdiözese München und Freising die zweite Diözese, die im Dom dauerhaft ein Mahnmal gegen Missbrauch aufstellt. Im Februar 2025 war in der Münchner Liebfrauenkirche das 60 Zentimeter hohe Werk "Heart" des Münchner Künstlers Michael Pendry enthüllt worden. Bis Ostern stand es am Hauptaltar, inzwischen hat es seinen Platz auf einer Stele in der Krypta des Gotteshauses gefunden.
Die im vergangenen Dezember veröffentlichte Missbrauchsstudie für die Diözese Passau hatte ergeben, dass fast 700 Kinder und Jugendliche seit 1945 von katholischen Priestern des Bistums sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt worden sind. Ein Team der Hochschule unter Leitung des Historikers Marc von Knorring hatte diese im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission erarbeitet. Allerdings dürfte von einer nicht näher quantifizierbaren Dunkelziffer auszugehen sein, heißt es im Fazit.