Veranstaltung im Parlament zum Weltfrauentag weist auf übersehene mehrfache Diskriminierung von Frauen in Krisenregionen und deren Schlüsselrolle für Entwicklung
Wien, 07.03.2026 (KAP) Frauen aus religiösen Minderheiten gehören weltweit zu den besonders verletzlichen Gruppen; gleichzeitig sind ihre Erfahrungen und Perspektiven im öffentlichen Diskurs oft kaum sichtbar. Auf diese Situation machten Expertinnen, Betroffene und Vertreterinnen kirchlicher Organisationen bei einer Veranstaltung zum Weltfrauentag (8. März) im österreichischen Parlament aufmerksam. Der Abend, organisiert von der Nationalratsabgeordneten Gudrun Kugler gemeinsam mit der Hilfsorganisation Missio und dem ÖVP-Parlamentsklub, widmete sich den besonderen Formen von Diskriminierung, denen Frauen ausgesetzt sind, wenn Geschlecht und religiöse Minderheitenzugehörigkeit zusammenwirken.
Die britische Forscherin Kate Ward, Gründerin der Initiative "Gender and Religious Freedom", verwies in ihrer Keynote auf eine lange bestehende Forschungslücke. Die geschlechtsspezifischen Auswirkungen religiöser Verfolgung seien erst in den vergangenen Jahren stärker untersucht worden. Studien zeigten, dass Frauen aus religiösen Minderheiten häufig "unsichtbare Opfer" seien. Während Männer häufiger direkter physischer Gewalt ausgesetzt sind, erleben Frauen überdurchschnittlich oft Zwangsheirat, Entführungen, sexuelle Gewalt oder massiven gesellschaftlichen Druck.
Nicht vergessen dürfe man außerdem die Situation von überlebenden Frauen von Gewalt, viele traumatisiert, als Witwe oder Alleinerzieherin in wirtschaftlich schwieriger Lage. Diese Formen der Gewalt dienten häufig dazu, ganze Gemeinschaften zu treffen. Frauen würden dabei gezielt angegriffen, weil sie in vielen Kulturen als Trägerinnen von Ehre und Identität ihrer Gemeinschaft wahrgenommen werden. Ward betonte zudem, dass religiöse Argumente manchmal missbraucht werden, um kulturelle Praktiken zu rechtfertigen, die Frauen unterdrücken.
Umso wichtiger sei es, den Stimmen betroffener Frauen Gehör zu verschaffen und sie aktiv in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Das war bei dem Abend auch der Fokus von persönlichen Erfahrungsberichten aus dem Nahen Osten und dem Iran, die die Auswirkungen solcher Entwicklungen im Alltag verdeutlichten. Eine aus Syrien stammende Christin schilderte, wie sich die Lage religiöser Minderheiten nach politischen Umbrüchen verschlechtert habe und viele Familien zur Flucht gezwungen worden seien. Eine aus dem Iran stammende Aktivistin berichtete von struktureller Diskriminierung, Zwangsheiraten und staatlicher Gewalt gegen Frauen.
Kinga Schierstaedt von "Kirche in Not" berichtete aus der Projektarbeit in afrikanischen Ländern. Terrorgruppen wie Boko Haram nutzten gezielt Gewalt gegen Frauen, um ganze Gemeinschaften zu terrorisieren. Viele Überlebende bleiben schwer traumatisiert, besonders in Regionen, in denen es kaum psychologische Unterstützung gibt.
Gleichzeitig wurde die Rolle von Frauen als Stabilitätsfaktor in Krisenregionen hervorgehoben. In vielen Konfliktgebieten seien es gerade Frauen, die humanitäre Hilfe organisieren, Bildungsprojekte tragen und Gemeinschaften nach Gewalt und Vertreibung wieder aufbauen. Als zentrale Ansätze zur Unterstützung wurden insbesondere Bildung für Mädchen, Programme zur Traumabewältigung und lokale Initiativen genannt. Beispiele dafür führte Missio-Nationaldirektor P. Karl Wallner an sowie die syrische Ordensfrau Sr. Annie Demerjian, die im Libanon tätig ist und mit einem Video beim Abend vertreten war.
Veranstalterin Gudrun Kugler betonte, Frauen seien "der Schlüssel zur Zukunft - gerade deshalb werden sie oft gezielt angegriffen". Ihre Erfahrungen müssten stärker gehört und in politische Entscheidungen einbezogen werden, etwa in der Außenpolitik und in der Entwicklungszusammenarbeit. Sichtbarkeit und Unterstützung für betroffene Frauen seien ein wichtiger Schritt, um ihre Rechte zu stärken und langfristig stabile Gesellschaften zu fördern, wobei die Bildung von Mädchen ein entscheidender Hebel sei.
(Kathpress-Themenschwerpunkt mit Meldungen und Hintergrundberichten zum Weltfrauentag 2026 abrufbar unter www.kathpress.at/weltfrauentag)
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